Der Hammertag vom 26. Juli 2012

Am Morgen liessen die Prognosen auf einen vielversprechenden Alpenflug hoffen. Die schwache Thermik an der Lüderen erlaubte es mir kurz nach elf Uhr, mich vorsichtig auf der Standardroute über Beichlen – Schrattenfluh – Hohgant bis zum Sigriswilgrat voranzutasten. Dort flog ich aber mangels Thermik und Geduld über Thun zum Stockhorn weiter, wo sich aber kein Hauch eines Aufwindes regte. Dank Motoreinsatz erreichte ich nach einigen Schlaufen im Diemtigtal die erste Wolke an den Spillgerten. Jetzt gestaltete sich der Weiterflug über Albristhorn – Wispile – Sanetsch ins Wallis problemlos. Rein optisch versprachen die Wolken mit Basis weit über 3000m einen tolles Flugerlebnis. Am Bietschorn traf ich Josef Pürro mit der DG 800. Zusammen mit einigen andern Segelfliegern und Gleitschirmpiloten genossen wir die fantastische Kulisse des Aletschgebietes. Die Wolkenbasis stieg im Goms auf fast 4000m an. So konnte der Ventus komfortabel über Nufenenpass und Gotthardgebiet gleiten. In der Leventina gab ich bei schwächeren Aufwinden und deutlich tieferen Wolken mein Ziel auf, bis ins Engadin vorzustossen. Die Wolkenoptik in den Tessiner und Walliser Alpen war zu verlockend. So wendete ich über dem Lukmanier mit dem neuen Ziel, das Matterhorn zu grüssen. Die Höhenbeschränkung verhinderte einen Aufstieg bis weit über 4000m. Am traumhaften Panorama um die vielen Viertausender der Walliser Alpen konnte ich mich kaum satt sehen und hielt auch einige Augenblicke im Bild fest. Unglaublich, was wir doch in unserem Land an Naturschönheit in der grossartigen unberührten Hochgebirgswelt besitzen. Einen krasser Gegensatz dazu bilden die zahlreichen Eingriffen des Menschen: Retortensiedlungen, Bergbahnen, Strassen, Skipisten und Stauseen. Was besitzen wir Segelflieger doch für ein Privileg, all dies aus der Vogelperspektive zu betrachten. So lohnte es sich jedenfalls aus meiner Sicht, anstatt OLC-Punktejagd eher Genussfliegen und Fotografieren zu betreiben. Der fast achtstündige Flug führte dann noch am Mont Blanc vorbei über Bex, Col du Pillon, Wilstrubel, Niesen, Entlebuch und Emmental zurück nach Grenchen (siehe OLC vom 26.7.2012). Mir als Geografiefan wird er als einen der eindrücklichsten und schönsten Flüge in Erinnerung bleiben.

Peter Wanner

OLC-Link

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