Februar + Thermik = REALLY AWESOME!

Der Originalbeitrag wurde auf flugfieber.ch veröffentlicht.

Es begann in der Woche 6. Anfangs Februar hatten wir junge Wilden von der Segelfluggruppe Solothurn, aufgrund der sich nähernden, warmen Wetterprognose, die Idee, man könnte doch Mitte Februar bereits Checkflüge ab Hartbelag machen.

Durch den Flugentzug im Winter stiess diese Idee auf allgemeines Interesse und schnell wurden einige Piloten gefunden, die sich am Donnerstag, 16. Februar am Nachmittag Zeit nehmen konnten. Wirklich mehr als Scherz als ernsthaft habe ich noch gesagt: „Vielleicht gibt es ja Thermik, dann gehe ich auf die Strecke“. Ja, im Februar eigentlich wirklich ein Scherz!

Am Freitag war dann natürlich noch keine Segelflugprognose für den Donnerstag verfügbar, aber immerhin versprach die normale Wetterprognose einen angenehmen Tag mit 12-14 Grad.

Montag

Es wurde dann Montag und somit war dann im TopTask auch die erste Prognose für Donnerstag verfügbar. Als ich die Prognose sah, habe ich erst gedacht, das sei ein Fehler. Zwar nur ein kurzes Zeitfenster von zwei bis drei Stunden – aber da dafür richtig. Basis von gut 2000 Meter, Steigwerte bis 3m/s, Streckenprognose gut 300km. Februar, das kann doch gar nicht sein?

Prognose Toptask für Donnerstag am Montag
Prognose Toptask für Donnerstag am Montag

Ein bisschen nervös so nach einem Winter macht ja das schon…

Dienstag

Prognose wieder gecheckt. Wahrscheinlich doch kein Scherz – die Prognose stand unverändert. So langsam formte sich der Entschluss, dass ich am Donnerstag den Checkflug wohl gegen einen Flug in meiner geliebten LS3/17 eintauschen werde. Aber so richtig überzeugt war ich natürlich noch nicht. Bald war mir dann klar, dass ich mich definitiv entscheiden werde, wenn mir die Prognose von Alpenflugwetter ebenfalls vorliegt. Da diese immer nur den aktuellen und nächsten Tag umfasst, musste es Mittwoch werden.

Am Abend des Dienstags wurde von unserem Verein eine obligatorische Weiterbildung durchgeführt. Mit einigen Kollegen habe ich natürlich mein Vorhaben eifrig diskutiert. Einer der alten Streckenhasen hat mich dann leicht belächelt und nur gemeint: „Das hätte er dann in 40 Jahren nie erlebt, dass es im Februar Thermik gäbe…“

Dies war gerade ein Ansporn, das ganze Vorhaben umzusetzen 😉

Mittwoch

Die Alpenflugwetter-Prognose ist da! Erst wieder Toptask gecheckt, mehr oder weniger haargenau die gleiche Vorhersage wie am Montag. Ich habe bereits in der letzten Saison die Erfahrung gemacht, dass wenn eine Prognose von Anfang an so stabil steht, die Wahrscheinlichkeit für einen guten Tag sehr hoch ist.

Dann bei Alpenflugwetter eingeloggt und siehe da – die sind sich einig! Es sollen gut 300km fliegbar werden!! 😀 Innerlich machte sich eine grosse Vorfreude und auch ein bisschen Nervosität breit, nie hätte ich gedacht, dass ich im Februar bereits wieder zu einem Thermikflug kommen würde…

Ach, ich lasse einfach die Bilder sprechen…

Februar-Prognose Alpenflugwetter für Mittwoch
Februar-Prognose Alpenflugwetter für Mittwoch

 

Februar-Prognose Toptask für Mittwoch
Februar-Prognose Toptask für Mittwoch

Schön nicht? Wenn nur nicht der Unsicherheitsfaktor Winter/Februar wäre…

Aber der Fall war klar, das wird ein (zumindest versuchter) Streckenflug!

Donnerstag – der Akku streikt!

Nun war es soweit. Nach dem Weckerklingeln natürlich als erstes die Prognose gecheckt, den Laptop habe ich mir schon am Abend ans Bett bereitgelegt.

Ja! Es passt alles! Toptask, Alpenflugwetter und Soaringmeteo sind sich alle einig und melden 300-400km Strecke. Das ist doch mal der Wahnsinn! Ein bisschen Rest-Zweifel bleiben aber doch noch hängen, es ist ja immer noch Februar und im Jura liegt noch Schnee, was das Aufheizen der Luft am Boden doch erschweren sollte. Egal, ein Versuch soll es definitiv werden.

Am Morgen war ich noch schnell im Büro, um die wichtigsten Sachen noch zu erledigen und dann gegen halb 11 fuhr ich los, Richtung Flugplatz. Ich habe unterwegs noch den Fluglehrer für die Checkflüge aufgegabelt. Auf der Autobahn Richtung Wohnort des Fluglehrers gibt es ein Teilstück mit optimaler Sicht auf den Jura. Und siehe da – es bilden sich gerade die ersten Cumuli! Sehe ich nicht recht? Augenreiben – nee die Cumuli sind noch da. Wahnsinn! Einmalig! Ich hab’s erstmal 5 Minuten so richtig gefeiert im Auto… Jetzt aber nichts wie los!

Am Platz angekommen gleich meine LS-3 rausgeholt, aufgerüstet, 17m-Enden montiert, abgeklebt, alles was halt dazugehört. Dann der Flugakku aus dem Auto geholt, den ich extra am Dienstag noch geladen habe, eingesteckt, nichts. Alle elektrischen Geräte machen keinen Wank. Stecker kontrolliert, Sicherung kontrolliert, nichts. Spannung am Akku gemessen – 12.5V. Nicht gerade viel, aber müsste doch alles funktionieren? Beim Einstecken des Ladegerätes hat die Ladekontrolllampe geleuchtet? Komisch.

Dann ging die Sucherei los. Leitungen durchmessen, Schalter prüfen, flugzeugseitige Sicherungen prüfen, nichts. Derweil wurde es 12, halb 1 und ich war immer noch nicht in der Luft. Ich wusste aus der Prognose, dass das fliegbare Zeitfenster beschränkt ist, da gegen Abend eine Abschirmung rein kommt.

Nun, glücklicherweise hat unser Doppelsitzer zwei Akkus und das Checkflugteam hat mir freundlicherweise einen der Akkus zur Verfügung gestellt. Stecker umgebaut, eingesteckt, endlich Strom! Nun noch Aussencheck, Ruderkontrolle und kurz nach 1 war ich dann endlich bereit, um mich und Flugzeug Richtung Piste zu bewegen.

13:35 LT – Airborne

Nach kurzer Wartezeit auf dem Taxiway konnten wir dann meine LS3 auf der Hartbelagpiste 25 von Grenchen aufstellen, Checkliste durcharbeiten und dann endlich, Abflug bereit! Klappen negativ auf -7°, leicht bremsen, anrollen, langsam umwölben auf +10° und nach wenigen Metern bereits in der Luft. YES! Volle Konzentration auf den Schlepp. Dann wollte ich das elektrische Vario auf Thermikflug umstellen, kein Ton. Lautstärke hochgedreht, nichts. Dann hab ich kurz auf das Instrument geguckt, dunkel. Tot. Nur das LX9050 hat zufrieden alles angezeigt. Dieses habe ich dann neugestartet, nur das Vario wollte einfach nicht. Da wusste ich, dass ich beim Kontrollieren der Schläuche wahrscheinlich einen Stecker aus Versehen ausgesteckt habe. Nun gut, fliegen wir halt ganz klassisch ohne Ton, nur mit dem mechanischen Vario. Challenge accepted! 😀

Auf rund 1800m habe ich über dem Jura ausgeklinkt. Bereits während dem Schlepp habe ich bemerkt, dass die Luft durchaus in Bewegung ist. Dann kurz nach dem Ausklinken macht sich leichte Ernüchterung breit. Nur sehr schwaches Steigen, keine konstanten Schläuche, kaum zentrierbar, 1700m, 1600m und das in wenigen Minuten. Schon sah ich es vor mir, 20 Minuten später zur Landung anzusetzen und mir anzuhören, man habe es doch gesagt, im Februar gäbe es keine Thermik… Nein, so schnell wollte ich nicht aufgeben. Nach etwas Sucherei habe ich einen schwachen, unrunden aber fliegbaren Bart gefunden. Mit Klappenstellung +20°, damit ich sehr eng kreisen kann, habe ich mich hochgekämpft.

Sicht Richtung Alpen
Sicht Richtung Alpen

Schnell war klar, dass es auf der zweiten Krete des Jura’s wohl besser gehen würde. Zu unsicher war es mir aber, um ohne Rückflugreserve einfach rein zu fliegen. Nun habe ich mir als sichere Limite für den Abflug 1900m ausgerechnet, um wieder umdrehen zu können. Mein Bart wurde dann auch besser und so konnte ich dann komfortabel auf gut 2000m abfliegen.

Vorflug Richtung Chasseral/Courtelary
Vorflug Richtung Chasseral/Courtelary

Kaum hinten angekommen, wusste ich was Sache war. Richtig fettes Steigen, lebhaft, solide, zuverlässig. Der erste Bart brachte mich in nur drei oder vier Kreisen an die Basis hoch. Gut, 180km/h, unter der Wolke durchflitzen Richtung Westen und dabei noch 1-2m/s Steigen? Wie geil ist das denn…! Spitzenwerte von über 5m/s…!

Ja, 6m/s Steigen :-D
Ja, 6m/s Steigen 😀

Nun konnte ich mich so richtig entspannen und auf den Streckenflug konzentrieren. Mein erster Versuch Richtung Chasseral/Courtelary war dann mässig erfolgreich, bis ich mich dann getraut habe, hinten durch zu fliegen. Da ging es richtig gut und mein Schnitt kam langsam in brauchbare Bereiche. Bei Les Eplatures habe ich dann gewendet, da die Abschirmung schon deutlich zu sehen war. Dann nochmals hoch Richtung Osten, nochmals auf über 2000m aufgedreht und mit einem zufriedenen Grinsen um den Chasseral abgleiten.

Aufreihungen auf der zweiten Krete
Aufreihungen auf der zweiten Krete

16:40 – nach gut drei Stunden habe ich überglücklich wieder auf Piste 25 in Grenchen aufgesetzt. Der Flug brachte 217 Strecken-km nach OLC und den ersten Platz in der OLC Tageswertung in ganz Europa. Gut, es waren auch nur wenige Flüge aber der Flug wäre mit einem Start um 12:30 oder 13:00 noch klar zu toppen gewesen.

Der Flug im OLC findest Du hier: http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?dsId=5524110

Nach der Landung in Grenchen LSZG
Nach der Landung in Grenchen LSZG

Der Originalbeitrag wurde auf flugfieber.ch veröffentlicht.

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